Wildwest, Rotlichtmilieu oder einfach nur billiges Gezerre um Macht?

Aktualisiert: Apr 15



"Kein anständiger Western- oder Gangsterfilm kommt ohne eine ordentliche Partie Poker aus," schreibt Matthias Grundwald in seinem Blog.* Es scheint, Zossens SVV mutiert in eine drittklassige Version eines solchen Szenarios. Die Frage ist: handelt es sich mehr um Wildwest oder Chicago unter Al Capone. Wäre es ersteres, hätten wir vielleicht einen Versuch, "Spiel mir das Lied vom Tod" neu zu inszenieren, nur dass in unserem Fall die Prostituierte Jill nicht ein anständiges bürgerliches Leben aufbauen, sondern als überkandidelte Madame die buchstäblichen Strippen ziehen will. Wäre letzteres der Fall, könnte es sich um einen Abklatsch eines ohnehin schon schlechten Films über Ma Barker oder Virginia Hill handeln. Aber eines scheint unverändert klar: es geht um eine neue Variante, die Arbeitsfähigkeit der Bürgermeisterin und aller Stadtverordneten, die Zossen voranbringen wollen, unter Kontrolle zu bekommen. Nachdem es mit dem Sturz ersterer durch einen Bürgerentscheid im letzten Jahr nicht geklappt hat, soll dieses Ziel nun auf anderem Weg erreicht werden.


Die Karte, die in diesem jüngsten Gerangel um Entscheidungskompetenzen stechen sollte, hieß deshalb: Ausschusssitzeneuverteilung. Dazu musste man nur mit billigen Kartenspielertricks die Gemeinschaft vergrößern, die den auf dem Tisch der Kommunalverfassung liegenden Gewinn an sich bringen soll. Also verkündete, wie bekannt, Plan B im letzten Monat den Zugewinn von zwei weiteren Mitgliedern – Herrn Blanke (CDU) und Herrn Klucke (fraktionslos). In einer Adaptation einer Rochade antworteten drei weitere Fraktionen mit ihrem Zusammenschluss.


Heute Abend sollen nun die Früchte dieser Schachzüge verteilt werden. Plan B behauptet noch immer, sie seien nun eine Fraktion aus acht Mitgliedern. Das kann, nach den auf der Stadtwebseite eingestellten Informationen, keineswegs der Fall sein. Mit dem Austritt der Herren Hummer, Christ, Magasch und letztens auch Kniesigk aus dieser Fraktion handelt es sich bestenfalls nur noch um vier Mitglieder, es sei denn, zwei Mitglieder der AfD Fraktion wären nun – wie die Gerüchteküche lanciert hat – Plan B durch ihren Beitritt zu Hilfe geeilt. Falls sich das heute Abend bestätigen sollte, wird sich dann die neue Fraktion schlicht Plan B/AfD nennen oder sich namentlich neu erfinden? Wie wird sich Herr Blanke als langjähriges CDU-Mitglied in einem solchen Sextett fühlen – beschämt, irritiert oder schlicht gleichgültig, weil es für seinen Übertritt von C nach B eben keine wirklich politischen, sondern anderweitig motivierte Gründe gegeben hat? Normaler Weise soll ja ein politischer Mandatsträger und auch seine weibliche Form einzig seinem oder ihrem Gewissen verpflichtet sein. Aber das scheint, wenn nicht völlig abhandengekommen, aus den klassisch angenommenen Orten seines Aufenthaltes (Gehirn oder Herz) in eine untere Körperregion gerutscht zu sein.


Doch abgesehen von den rechnerischen Vor- oder Nachteilen dieser Schachzüge, was steht bei diesen Kämpfen um die Ausschussposten auf dem Spiel?

1. im Finanzausschuss die Geld- und Investitionspolitik der Stadt;

2. im Bauausschuss die städteplanerische Entwicklung Zossens mit den Flächennutzungsplänen, den Bauplänen, INSEK und so fort;

3. im Jugend- und Sozialausschuss vor allem die Umsetzung des § 118 der Kommunalverfassung zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an den Belangen und Entscheidungen unserer Stadt und der Teilhabe unserer Senior*innen und behinderten Einwohner*innen;

4. im Kultur-, Tourismus-, Umwelt- und Energieausschuss der Umweltschutz, die Orientierung auf Nachhaltigkeit, die Bemühungen um die Wiederbelebung der städtischen Kultur unter Pandemiebedingungen usw.

5. im Rechts-, Sicherheits- und Ordnungsausschuss die Entscheidungen über alle rechtlichen Aspekte städtischer Politik.


Auch wenn in den Ausschüssen noch eine Vielzahl anderer Themen beraten werden, die von mir aufgezählten Punkte sind bereits von erheblicher Bedeutung für die Frage, in welche Richtung sich Zossen in den nächsten Jahren entwickeln wird. Das bedeutet: der Kampf um die Ausschüsse ist ein Kampf um die Zukunft unserer Stadt!


Ich kann deshalb nur ganz ernsthaft an alle Stadtverordneten appellieren: überlegen Sie sich heute Abend verantwortungsbewusst Ihre Antwort auf die Frage: welche Zukunft wünschen Sie sich für Zossen?





* https://myofb.de/die-besten-poker-szenen-der-filmgeschichte/

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