Herr Habeck sollte einen Schnellkurs in kultureller Symbolik nehmen

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Unter den vielen fotografischen Aufnahmen Herrn Habecks in Qatar hat eines besondere Aufmerksamkeit von Journalist*innen und Blogger*innen auf sich gezogen. Es zeigt ihn in einem tiefen Diener vor seinem Qatari Gesprächspartner . Ein weiterer Qatari lächelt irgendwie verblüfft. Englischsprachige Artikelschreiber siedeln Herrn Habeck zwischen einer offenen Tür und einem Bittsteller an. Ein Kommentar in den Nachdenkenseiten zählt dem Minister seine gesamten Wissenslücken zu Qatar und deren politische Bedeutungen auf.







Was aber weder Herrn Habeck noch den Kommentatoren des Bildes aufgefallen ist, ist, dass Herr Habeck noch zwei weitere kulturelle Fauxpas im Persischen Golf begangen hat, die auf diesem sowie anderen Fotos deutlich sichtbar sind: er war nicht rasiert und er trug einen Schlips.


Nicht rasiert zu sein liiert Herrn Habeck symbolisch mit den Khomeini Anhängern der ersten Stunde, deren Kultsymbole des ungepflegten, unrasierten, schlecht gekleideten jungen Mannes noch immer in den Basiji, den Schlägertruppen der diktatorischen Gruppe um Ayatollah Khamenei, fortleben. Diese Ausstrahlung hat ihn ganz gewiss nicht bei den sunnitischen Pendants der Ayatollahs in Qatars Emirsfamilie und ihrer Clique beliebt gemacht.


Der Schlips und der dunkle Anzug dagegen widersprechen dem iranischen Revolutionsstil auf das Schärfste, denn dort gilt ein Schlips als das hervorstechende Merkmal westlicher, insbesondere amerikanischer Verkommenheit.Dass dieses visuelle Bekenntnis zu westlichen "Werten" Herrn Habeck bei den Gesprächspartnern in Qatar an Bedeutung gewinnen lassen hat, ist eher zu bezweifeln. Falls das aber für einen Moment der Fall gewesen sein sollte, har der tiefe Diener diesen möglichen Gewinn wieder zunichte gemacht. Unterwürfigkeit ist nichts, was die lokalen Wüstenherrscher und Ölbesitzer schätzen.


Herrn Habecks Nachlässigkeit in kultureller Symbolik wurde dann auch von Qatar in gebührender Klarheit mit ihrem unannehmbare Klauseln enthaltenden Vertrag für die so dringend gewünschten fossilen Brennstoffe bestraft. Hier haben sich aber die Qataris in ihrer Interpretation der widersprüchlichen kulturellen Signale, die Herr Habeck bei seinem Besuch ausgesendet hat, ebenfalls geirrt. Die Bundesrepublik mag ungebildete, überhebliche, militante Minister und Ministerinnen haben. Aber sie nimmt dennoch fossile Brennstoffe nicht zu allen Bedingungen, vor allem dann nicht, wenn ihre Politiker (maskuline Form ist hier absichtlich gewählt) sich dann plötzlich in ihrer Männlichkeit verletzt fühlen.


Etwas mehr Bildung hilft das Parkett, auf dem Sie tanzen möchten, Herr Habeck, zu verstehen, egal, ob es sich um ukrainische rechtsextreme Ultranationalisten handelt oder um arrogante, diktatorische Emire. Aber verstehen wollen scheint ohnehin keine grüne Stärke mehr zu sein. Insofern hätten Sie auch einfach in Berlin bleiben und sich ein peinliches Foto ersparen können, Herr Habeck.

7 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

In wenigen Stunden verlasse ich Tunesien und kehre nach Hause zurück. Nach der Tagung bin ich mit Kollegen quer durch das Land auf der Suche nach punischen und römischen Himmelsdarstellungen gefahren.