Grüße aus Tunesien 2

Aktualisiert: vor 6 Tagen

In wenigen Stunden verlasse ich Tunesien und kehre nach Hause zurück. Nach der Tagung bin ich mit Kollegen quer durch das Land auf der Suche nach punischen und römischen Himmelsdarstellungen gefahren. Einiges habe ich finden können, aber leider nicht so viel, wie ich mir erhofft hatte.


Auf meine Frage, wieso die Altertümer in Tunesien nicht besser geschützt und gepflegt werden, bekam ich einen kurzen Abriss der politischen Geschichte des Landes und seiner gegenwärtigen Nöte. Dazu gehört zum einen die überall gegenwärtige Präsenz der Nationalgarde. Uns haben sie immer sehr zuvorkommend behandelt. Aber sie bewachen die Straßen und kontrollieren Autos jeglicher Art, da vor allem aus Libyen, nach dem letzten amerikanisch-europäischen Bombardement des Nachbarlandes und die Zerstörung seiner politischen und ökonomischen Infrastruktur, immer wieder Islamisten nach Tunesien einsickern und Attentate ausführen.


Ein zweites großes Problem ist die Spaltung des Landes seit der sogenannten Revolution. Die religiösen Gruppen, die danach die politische Macht übernommen hatten, haben durch ihre rigide und zum Teil gewalttätige Kultur- und Religionspolitik viele Tunesier*innen so vor den Kopf gestoßen, dass diese in Scharen auf die Straßen gegangen sind und sich dagegen gewehrt haben.


Inzwischen gab es einen unblutigen Putsch. Das Parlament, alle politischen Parteien, die Gewerkschaften sind entweder aufgelöst worden oder werden aus dem politischen Leben ausgeschlossen. Wahlen finden jetzt eher auf Clanebene, formal Bezirksebene genannt, statt. Der Präsident benutzt in seinen Reden "westliche Werte", aber handelt wie ein Diktator, aber noch ohne Blut zu vergießen. Die Macht liegt anscheinend in den Händen der bewaffneten Organe, deren Eliten sich bislang mit der Aneignung profitabler Geschäfte und westlichem Lebensstil begnügen.


Der Krieg in der Ukraine wird mit Sorge und Ablehnung für alle beteiligten Seiten betrachtet.

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