Gedenken an Opfer des Faschismus: 27. Januar 2022

Aktualisiert: 1. Feb.

Am 27. Januar 2022 war der "Internationale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus", der zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee stattfindet. 43 Zossener*innen fanden sich abends zum Erinnern an den Stolpersteinen für jüdische Frauen, Männer und Kinder ein, die zwischen 1933 und 1945 ihrer Arbeit, ihres Lebensunterhalts, ihres Besitzes und ihres Lebens beraubt worden sind. Die Bürgerinitiative "Zossen zeigt Gesicht" hatte dazu eingeladen. Die Veranstaltung begann an den Stolpersteinen auf dem Marktplatz und wurde in der Berliner Straße und im Stadtpark fortgesetzt. Jörg Wanke von "Zossen zeigt Gesicht" eröffnete auf dem Markt mit einer kurzen Begrüßung das stille Gedenken. Weitere Redner*innen an den verschiedenen Stationen des Gedenkens ware der Stadtverordnete der Linken Carsten Preuss, die Bürgermeisterin Wiebke Sahin-Schwarzweller, Klaus Neumann von der Evangelischen Kirche und Kurt Liebau vom BAZ.


Ich veröffentliche hier und in den folgenden Tagen einen Teil dieser Reden. Ein weiterer Beitrag zeigt die von der Bürgerinitiative angefertigte Ausstellung zu den ermordeten Einwohner*innen Zossens.


Sonja Brentjes



Beitrag von Klaus Neumann, EKG Zossen, Stolperstein 1, Marktplatz


Psalm 41, 1+5-10

1Ein Psalm Davids, vorzusingen. Wohl dem, der sich des Dürftigen annimmt! Den wird der HERR erretten zur bösen Zeit.

5Meine Feinde reden Arges gegen mich: "Wann wird er sterben und sein Name vergehen?"

6Sie kommen, daß sie schauen, und meinen's doch nicht von Herzen; sondern suchen etwas, das sie lästern mögen, gehen hin und tragen's aus.

7Alle, die mich hassen, raunen miteinander wider mich und denken Böses über mich.

8Sie haben ein Bubenstück über mich beschlossen: "Wenn er liegt, soll er nicht wieder aufstehen."

9Auch mein Freund, dem ich mich vertraute, der mein Brot aß, tritt mich unter die Füße.

10Du aber, HERR, sei mir gnädig und hilf mir auf, so will ich sie bezahlen.

…………………

Die Stolpersteine erinnern uns daran, dass diese Opfer hier gewohnt haben. Und auch die Täter waren von hier: Nachbarn, vielleicht sogar ehemalige Freunde. Alle hier haben es gesehen und alle haben es gewußt. Und doch ist das Unsagbare geschehen.


Aber was bedeutet das für uns heute, in unserer Zeit? Angesichts der Herausforderung durch Corona, Egoismus und Radikalisierung sind wir aufgefordert, unsere Mitmenschen nicht aus den Augen zu verlieren, menschlich zu bleiben und zu handeln, auch mit Rückgrat und Würde. Die Namen der Menschen, die hier auf diesen Stolpersteinen stehen, sind Opfer einer Gesinnung geworden, deren Wiederkehr heute in unseren Tagen durchaus möglich erscheint. Daher gilt es, die Erinnerung wach zu halten und einer Geisteshaltung entgegenzutreten, die andere Menschen verachtet und ihnen die Menschlichkeit abspricht. Aus Worten folgen Taten, nicht nur damals, sondern auch heute.


Stolperstein 2, Berliner Straße, Herr Neumann


Prediger 3, 1-11

1Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.

2Geboren werden und sterben, pflanzen und ausrotten, was gepflanzt ist,

3würgen und heilen, brechen und bauen,

4weinen und lachen, klagen und tanzen,

5Steine zerstreuen und Steine sammeln, herzen und ferne sein von Herzen,

6suchen und verlieren, behalten und wegwerfen,

7zerreißen und zunähen, schweigen und reden,

8lieben und hassen, Streit und Friede hat seine Zeit.

9Man arbeite, wie man will, so hat man doch keinen Gewinn davon.

10Ich sah die Mühe, die Gott den Menschen gegeben hat, daß sie darin geplagt werden.

11Er aber tut alles fein zu seiner Zeit und läßt ihr Herz sich ängsten, wie es gehen solle in der Welt; denn der Mensch kann doch nicht treffen das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

…………..

Wir sind aufgefordert, auch jetzt und für uns selbst zu entscheiden, welche Zeit es ist: den Dialog suchen oder die Gesprächstür schließen, Stellung beziehen oder Kompromisse suchen. Aus der Verantwortung für diese Entscheidungen werden wir nicht entlassen. Wir sind aufgefordert, die „Zeichen der Zeit“ zu erkennen, zu interpretieren und dann in geeigneter Weise Stellung zu beziehen. Wenn dies nicht gelingt, dann leiden wir selbst und unsere Mitmenschen. Diese Stolpersteine erinnern uns daran, dass einige unserer Mitmenschen den ultimativen Preis zahlen mußten und ihr Leben verloren haben. Lasst uns heute nicht Hass und Ausgrenzung Raum geben, so dass sich solches nicht wiederholen kann.


Beitrag von Kurt Liebau


Herr Liebau stellte am Stolperstein vor der Berliner Straße 3 die Familie Cohen und deren Schicksal vorgestellt. Ihr Leben und Leiden kann man auf der Webseite des BAZ nachlesen:

https://bazev.de/index.php/juedisches-leben/22-juedische-familien-in-zossen-die-cohens

Die historischen Informationen zu den Familien von Werner Robert Dalen, Alex Falk und Lesser Weinberg haben die folgenden Menschen aus Zossen und Umgebung erarbeitet:

.

- die Projektgruppe des Jugendfreizeitklubs LEO e.V. mit Unterstützung des BAZ e.V.

„Spurensuche. Jüdisches Leben in Zossen 1925-1945“ im Jahre 2006

Sabrina Kunz

Ulrike Schwarz

Jutta Melzer

Dr. Rainer Reinecke

Kurt Liebau


sowie Hillu und Carsten Preuss.

Herr Liebau möchte auch noch einmal dankend auf zwei Sponsoren der Stolpersteine hinweisen. Die Hälfte der ersten sechs Stolpersteine wurden von Lutz und Dora Hänicke gespendet, die sich auch in ihrer Heimatstadt Coburg entsprechend engagierten.

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