Fängt die "einheitliche Kriegsfront" an zu bröckeln?

(inspiriert von der Nachrichtenübersicht auf den Nachdenkenseiten https://www.nachdenkseiten.de/?p=84539#h01)


Dass die offizielle deutsche Kriegsfront zu bröckeln beginnt, scheint zumindest ein Journalist von Fokus online zu glauben. Er wagt sich mit einer direkten Kritik an Zelenski und einer indirekten an Baerbock & co hervor.


"Wolodymyr Selenskyj lebt ein Leben in der politischen Eindimensionalität, was seine weltweite Popularität erklärt. Die Communities auf Twitter, Instagram und Facebook sind seine natürlichen Siedlungsgebiete.


Der Realpolitiker aber lebt auf einem anderen Stern. Er respektiert Selenskyj. Aber er darf ihm in seiner eifernden Totalität nicht folgen. Er muss auf seiner Souveränität bestehen. Oder in der gebotenen Deutlichkeit gesagt: Berlin ist kein Vorort von Kiew."

Quelle: Gabor Steingart auf Focus Online


Es wäre schön, wenn Herr Steinhart mit seinem emphatischen Wunsch recht hätte. Aber noch ist Berlin eine Marionette Washingtons und Kiews.


Der Freitag, vor einigen Wochen noch voll auf Kriegskurs, gibt nun auch wieder kritischen Stimmen Raum. Herr Lüders hat völlig recht mit seinem Eindruck, dass sich in den USA verschiedene Lager bekämpfen. Er meint, es seien zwei. Ich denke, es sind inzwischen drei: die Kriegspartei (das Außenministerium, das den Präsidenten dominiert), Teile des Militärs (die keinen 3. Weltkrieg wünschen) und neuerdings das Finanzministerium und die Wall Street (die laut vor einem ökonomischen Hurricane warnen).


"Schwere Waffen liefern, immer mehr Sanktionen auflegen: Gerade in Deutschland kennt die Debatte über den Ukraine-Krieg nur eine Richtung. Das ist gefährlich. In den USA gibt es in dieser Frage längst zwei konkurrierende Lager


Abgesehen vom vorsichtig taktierenden Kanzleramt scheint es in der hiesigen Politik wie in den Medien nur eine Stoßrichtung bezüglich des Ukraine-Kriegs zu geben: schwere Waffen liefern, so schnell wie möglich, und noch mehr Russland-Sanktionen. In den USA dagegen scheint sich der Blick auf diesen Krieg zu verändern.


Den Auftakt machte ein Leitartikel des „Editorial Board“ der New York Times vom 19. Mai. Die Autoren zitieren die Warnung von Avril Haines, Chefin aller 18 US-Geheimdienste, der zufolge „der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zunehmend unberechenbar und potenziell eskalierend verlaufen könnte“, bis hin zum Einsatz von Nuklearwaffen. Vor diesem Hintergrund stellen sie Fragen, die im deutschen Mainstream fast undenkbar wären: Liegt es im Interesse Amerikas, einen Krieg mit Russland zu riskieren, selbst wenn ein Verhandlungsfrieden der Ukraine „harte Entscheidungen“ abverlange? Gehe es den USA darum, die Ukraine zur Selbstverteidigung zu ermächtigen – oder suchten sie Russland dauerhaft zu schwächen, Wladimir Putin zu stürzen? Riskiert das Weiße Haus Sicherheit und Frieden in Europa? Die Annahme, die ukrainische Armee könne an Russland verlorene Gebiete militärisch zurückgewinnen, halten sie für abwegig. Ähnlich äußerte sich Henry Kissinger auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos."

Quelle: Michael Lüders in der Freitag


Herr Thomas Fischer darf sich im Spiegel in massiver Ironie, insbesondere gegen Herrn Habeck, Herr Biden und die G7 üben und eingestehen, dass diese Politik gegen uns gerichtet ist:


"In Davos, einem netten Ort in einem neutralen Staat, sprachen der »Nato-Chef«, der Bundes-Kriegswirtschaftsminister und ein paar Oligarchen des Westens über die zukünftige Aufteilung der Welt. Wir sind betroffen.


Wie Sie wissen, sehr geehrte Leser, hat in dieser Woche der Bundeswirtschaftsminister »eine neue Weltordnung« gefordert. Darunter macht man es nicht in Davos, schon gar nicht, wenn man der »beliebteste« deutsche Nichtbundeskanzler ist und Frau von der Leyen vom Podium raunte: »Die Ukraine muss diesen Krieg gewinnen«, was wahrscheinlich eher eine untertänige Bitte an den Göttervater »Biden« war als ein Befehl an den genannten Staat, allerdings in beiden Fällen wenig mit der drohenden Hungersnot unter deutschen Rentnern oder den Affenpocken zu tun hat. (…)


Herr Joseph Biden, den wir hier einmal »Der Westen« nennen wollen, hat, wie ich einer Zeitung entnahm, dem Staat Taiwan, der nicht Mitglied der Nato und der »Großen Sieben« ist, eines Weltoligarchen-Clans, umfassende militärische Hilfe zugesagt, sollte es jemals vom Staat China angegriffen werden. Herr Selenskyj sagte zeitgleich, man müsse demnächst früher und prophylaktisch potenzielle Angreifer auf die freie Klitschko-Welt ausschalten. Das klingt ein bisschen wie die »Putin«-Propaganda und wurde beim Filmfestival ebenso »standing« ovatiert wie das kalte Büfett, aber das nehmen wir jetzt mal nicht so ernst; der Mann Wolodymyr ist ja auch nur ein Mensch.


Am Ende kommen wir also auch heute wieder nur zu einer Frage. Sie lautet: Durch welche Rationalität können wir eine Moral ersetzen, die nicht trägt? Was sagt uns dazu das Völkerrecht? Wenn man behauptet, über Recht zu sprechen und ihm verpflichtet zu sein, muss man dies auch tun; sonst verliert man gerade die Legitimität, auf welche man die Macht des eigenen Handelns stützt. Wenn die Berufung von Staaten auf das Recht tatsächlich nicht trägt, ist das keine Frage persönlicher »Heuchelei« oder individueller Selbstüberschätzung. Es bedarf dann vielmehr einer anderen, tragfähigen Begründung."

Quelle: Thomas Fischer in DER SPIEGEL


Der Tagesspiegel dagegen, ein dezidierter Kriegsanhänger, schwankt zwischen triumphaler Begeisterung ob der weiteren Verschärfung der Expansionsspirale des Krieges durch Bidens Erklärung, modernste Waffen an die Ukraine liefern zu wollen und sprachloser Betroffenheit ob dieser erneuten unverantwortlich risikovollen Entscheidung.

Quelle: Tagesspiegel


Die nazistischen Sprecher der ukrainischen Regierung höhnen, dass sie die von Biden gestellten Bedingungen zum Einsatz dieser Waffen nicht ernst zu nehmen gedenken. Die USA hätten bisher jedes Mal ihren eigenen Bedingungen durch ihr Handlungen widersprochen. Warum sollte sich dann die Ukraine daran halten?! Das ist dieselbe Haltung, die einen Grund für diesen Krieg geliefert hat. Die ukrainischen Führungen denken seit 2014 nicht im geringsten daran, internationales Recht zu respektieren und unterzeichnete Verträge umzusetzen. Poroschenko hat es deutlich gesagt. Die jetzigen Vertreter Kiews lassen ebenfalls keinen Zweifel daran. Die amerikanischen Regierungsmitglieder schweigen, sind also vermutlich mit diesem Weg in den direkten Angriff auf Russland einverstanden. Die Konsequenzen dieses Weges sind gewollt. Zwei ukrainische Migrantinnen in Deutschland und Österreich haben es vor Wochen in der hiesigen und der österreichischen Presse ungeniert schreiben dürfen: Der Westen muss Opfer für die Ukraine bringen und darf sich nicht vor einem Atomkrieg fürchten!


Die Washington Post, ebenfalls ein Mitglied der Kriegspartei, veröffentlicht demaskierende Berichte freiwilliger Kämpfer aus der Westukraine, die im Donbas mit der ukrainischen Armee kämpfen und bestätigt damit, was im März bereits ein geflohener amerikanischer Freiwilliger berichtet hatte: die Freiwilligen erhalten kaum Training, wenig Waffen und Betreuung durch die ukrainische Armee und werden verhaftet, wenn sie sich auflehnen. Um es kurz zu sagen: sie sind verheizbares Kanonenfutter. Zelenski & co scheinen dem Vorbild Khomeinis im Irak-Iran-Krieg zu folgen: steigende Zahlen von Zivilisten gegen den Gegner zu werfen, es sei denn, sie können sich gegen hohe Summen freikaufen oder flüchten. Dieselbe Zeitung berichtete vor drei Tagen, dass eine ukrainische Militäreinheit bereits in Russland operiert.

https://www.washingtonpost.com/world/2022/05/26/ukraine-frontline-russia-military-severodonetsk/


In Griechenland gehen erneut Menschen gegen diesen brandgefährlichen Krieg auf die Straße. Was muss noch alles passieren, ehe sich auch hierzulande massive Gegenwehr formiert? Wollen wir tatsächlich erst selbst Kriegsopfer werden?

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