Eulen nach Athen tragen war gestern – heute trägt man Eulen nach Zossen


Es ist der 24. Februar 2021. Der Ausschuss Soziales, Jugend, Bildung u.Sport hatte zu seiner turnusmäßigen Sitzung zu 18 Uhr ins Bürgerhaus Zossen geladen. Kurz vor Beginn erschien der Vorsitzende des Ausschusses, Herr René Just, und forderte eine allseits bekannte und mit sehr viel Weisheiten gesegnete Bürgerin im Bereich der Gäste auf, sich während sie sich im Raume frei bewege eine Maske aufzusetzen. Das sei so im Hygienekonzept der Stadt Zossen verankert. Es ist auch in jedem Selbstbedienungsladen dieses Landes zur Zeit üblich und die Voraussetzung zum Gelingen der Selbstbedienung, um hier mal eine passende Metapher zu benutzen. Es ergab eine nicht endend wollende, in einer Darstellung der eigenen Selbstherrlichkeit der Bürgerin gipfelnde, Diskussion über die Rechtmäßigkeit einer Maskenverordnung, die an Sinnbefreiung kaum zu überbieten war.


Die Eule war nun dort, wo sie bereits überflüssig war/ist – im Hort der Interpretationen von Verordnungen, die keine Überflüssigkeiten dulden. Das in Anspruch genommene Hausrecht durch den Ausschussvorsitzenden ignorierte das weibliche Federtier völlig und gab es einer spitzschnäbligen, aber im Ganzen recht langweiligen Parodie zur Verhöhnung des Hausherrns preis.


Nach 40 Minuten Wartezeit kam polizeiliche Unterstützung zur Durchsetzung des Hausrechtes. Unsere an Weisheiten strotzende Eule meinte ihre nächsten Opfer in Form unreflektierter Respektlosigkeit bekleckern zu dürfen. Das Ende dieser fast lustig klingenden und sehr unterhaltsamen Euleninszenierung war – nach der polizeilichen Aufklärung, dass Mylady ganz hart am Wind zur Straftat segele –, ein plötzlicher Sinneswandel: sie zog aus der Handtasche eine Maske heraus, um nun doch noch ihr Verbleiben im Saal zu rechtfertigen. Das schützte sie jedoch nicht mehr vor dem Rauswurf durch die Polizeibeamten. Sie flog zu ihrem eigenen Hort der Weisheiten. Ein paar Federn durfte man auf dem Heimweg schon finden.

Nun endlich konnte kurz vor 19 Uhr der Ausschuss tagen. Im Bericht aus der Verwaltung wurde klar mitgeteilt, dass im Moment ca. 170 Eltern auf einen KITA Platz warten müssen und man anhand der Bevölkerungsentwicklung damit rechne, dass bis zum Jahr 2030 rund 1400 Kitaplätze benötigt würden. Hier wurde sehr deutlich, dass in der Vergangenheit die Stadt viel zu wenig darauf geachtet hat, die tatsächliche Stadtentwicklung zu betrachten und das gerade in dieser Hinsicht trotz des engen Haushalts endlich für einersinnvolle Stadtentwicklung Zossens intensive Anstrengungen geleistet werden müssen. Die vorgelegten Beschlussvorlagen wurden von den Stadtverordneten empfohlen. Als Bürger konnte man sich davon überzeugen, dass diese Stadt sich ihrer Verantwortung und ihrem Bildungsauftrag für unsere Kinder und Jugendlichen bewußt ist und konstruktiv dafür arbeiten wird.

Ute Reglin

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